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 ~ Labrador Retriever

    of the Coonel's Valley ~

Arbeiten mit Retrievern.... 


Die jagdliche Retrieverarbeit

Retriever wurden hauptsächlich als Wasser- und Apportierhunde für Flugwild gezüchtet. Daher sollten sie sich durch weiches Maul, große Wasser- und Arbeitspassion sowie Standruhe auszeichnen.

Zwei im Jagdeinsatz bedeutsame retrievertypische Arbeitsweisen der Retriever sind das Merken (marking) und das Einweisen (blind retrieves): Ein gut veranlagter Retriever, dessen Merkfähigkeit trainiert wurde, kann sich an mehrere Fallstellen von Flugwild, das für ihn sichtig beschossen wurde, erinnern: Nachdem er ruhig neben dem Führer gewartet hat, läuft er auf Kommando direkt zum zu apportierenden Wild und bringt dieses ohne die zeitraubendere, weiträumige Suche.

Beim Einweisen wird der gut lenkbare Retriever dagegen durch Handzeichen, wenn möglich auf direktem Wege, zu für ihn nicht sichtig gefallenen Stücken geschickt. Bei unmittelbar erlegten Stücken können diese sofort apportiert werden (dead bird), im Falle von kranken Stücken muss er dagegen vorher das Geläuf/die Fährte ausarbeiten (runner).

Eine Besonderheit vieler Retriever, die sich aus dem sprichwörtlich "weichen Maul" ergibt, ist die Tatsache, dass v. a. Friedwild lebend gebracht wird. Auch muss der interessierte Jäger wissen, dass beileibe nicht alle Retriever Raubwild(zeug)schärfe besitzen - was allerdings gelegentlich auch das Alltagsleben erheblich vereinfacht.

Auf Grund des ruhigen, konzentrierten Arbeitsstils werden Retriever, bedingt durch die hiesigen jagdlichen Erfordernisse, auch häufiger zu Nachsuchen auf Schalenwild eingesetzt. Für die in der Praxis hauptsächlich anfallenden Totsuchen sind sie in jedem Falle geeignet. Ein Teil der Retriever zieht auch krankes Wild nieder. Spurlaut sind diese Hunde allerdings so gut wie nie, während es kein Problem ist, ihnen das Verweisen beizubringen.

Ein häufiger Grund für Jäger, sich für einen Retriever zu entscheiden, ist die Tatsache, dass die meisten dieser Hunde verhältnismäßig leicht auszubilden und zu führen sind. Ein "starkes Bedürfnis, dem Führer Freude zu bereiten," (will to please) ist teils sogar ausdrücklich im Rassestandard gefordert. Dies hat dazu geführt, dass in diversen Linien durch entsprechende Zuchtwahl Eigenschaften wie Führigkeit und Arbeitspassion in gleichem Maße gefördert wurden (überbetonte Passion gepaart mit wenig Führigkeit gilt genauso als fehlerhaft wie mangelnde Passion gepaart mit ausgeprägter Führigkeit). Dennoch muss man sich klarmachen, dass sich auch ein leichtführiger Hund nicht von selber erzieht, selbst, wenn man gelegentlich erstaunt ist, was diese Tiere einfach dem Führer zuliebe tun.

Auch wenn es in der einschlägigen Literatur nicht immer klar zum Ausdruck kommt: Insbesondere die Labradors, aber auch die Golden Retriever werden im Ursprungsland England seit diversen Jahrzehnten in zwei Schlägen gezüchtet, die sich deutlich unterscheiden und dort selten gekreuzt werden - zum einen gibt es Arbeits- oder "Field Trial"-Linien und zum anderen Ausstellungs- oder Showlinien. Auf dem Kontinent dagegen bemühen sich die Zuchtverbände um einen einheitlicheren, den "Dual Purpose Typ", d. h. Arbeitshunde mit nicht ausreichendem Formwert erhalten keine Zuchtzulassung, und auch der Erhalt von Arbeitsanlagen soll in der Zucht berücksichtigt werden. Trotzdem gibt es eine gewisse Bandbreite, und Kaufinteressenten sollten sich daher unbedingt schon im Vorwege darüber klar werden, wo ihre Vorlieben liegen.

Hunde aus reinen Arbeitslinien sind grundsätzlich leichter gebaut und beweglicher, häufig sind sie stärker auf ihren Führer bezogen und an Fremdpersonen weniger interessiert. Darüber hinaus sind sie optisch sehr gut lenkbar/beeindruckbar und besitzen meist viel "style" und "will to please" (Merkmalkomplexe, die v. a. die Art zu arbeiten beschreiben und die man einfach "in natura" erlebt haben muss, um sie zu erkennen).

Aber auch rein aus Showlinien gezogene Retriever können gute Jagdhunde sein. Wer hier seine Vorlieben entwickelt hat und sich nicht nur auf sein Glück verlassen möchte, sollte sich an selber jagende Züchter halten, deren Hunde auch tatsächlich leistungsgeprüft sind. Dann hat man alle Chancen, einen solide arbeitenden Hund zu erwerben.

Bei denjenigen Rassen, die vorrangig für Gesellschaftsjagden gezüchtet wurden, wurde großer Wert auf Verträglichkeit in Bezug auf Artgenossen und Mitjäger gelegt; kurzum auf unkomplizierter Jagdbegleiter, die keine Nerven kosten, weil sie vielleicht auch ein bisschen "everybody's darling" sind. Bei Rassen, die dagegen mehr für die Einzeljagd geschaffen wurden, treten in stärkerem Maße Eigenschaften wie Schutztrieb und Territorialverhalten - bis vielleicht sogar hin zur Mannschärfe - in den Vordergrund. Jäger, die mit der Anschaffung eines Retrievers als Jagdbegleiters liebäugeln, sollten sich daher vorher intensiv mit den spezifischen Rasseeigenschaften beschäftigen und dann erst die für sie wirklich passende Wahl treffen.


Dummyarbeit

Die ausgeprägte Apportierleidenschaft ermöglicht zudem eine artgemäße Beschäftigung von Retrievern mit Dummys (Segeltuchsäckchen), wenn keine jagdlichen Arbeiten anstehen.
Auch im DRC wird die Dummyarbeit mittlerweile als eigenständige Sparte der Hundearbeit mit Prüfungen verschiedensten Schwierigkeitsgrades (Anfänger, Fortgeschrittene, Sieger) betrieben. Die Spannweite reicht von der Dummyprüfung für Anfänger über Working Tests der drei unterschiedlichen Niveaus bis hin zur deutschen Meisterschaft (German Cup). Darüber hinaus wird auch alljährlich eine Europameisterschaft (International Working Test) ausgetragen.

Die Aufgabenstellung geht dabei häufig von Situationen aus, wie sie z. B. unter den Bedingungen englischer Gutsjagden entstehen. Damit werden hier schwerpunktmäßig ganz klassische Retriever-Arbeitsweisen wie Einweisen auf nicht sichtig gefallene Dummys (blinds) oder Merken von Fallstellen sichtig geworfener Dummys (marks) und stilvolles, freudiges Bringen abgefragt. Auch der Stellenwert von ausgezeichneter Lenkbarkeit und aufmerksam beobachtender Standruhe ohne voreiliges Einspringen oder störendes Lautgeben (steadiness) ist bei der Dummyarbeit sehr hoch angesiedelt. Insbesondere beim Fortgeschrittenen- und Siegerniveau können die Aufgaben in anspruchsvollem Terrain (Land und Wasser) über erhebliche Distanzen und Geländewechsel gehen.

Die Dummyarbeit stellt somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt typischer Arbeitseigenschaften unserer Apportierspezialisten dar.

Weitere Arbeiten mit dem Retriever:

Retriever werden häufig nicht ausschließlich ihrer ursprünglichen Bestimmung entsprechend als Jagdhund zum Apportieren von Flugwild eingesetzt. Ihre leichte Abrichtbarkeit und die Menschenfreundlichkeit bedingen darüber hinaus, dass sie heute viele Einsatzbereiche abdecken, die über den ursprünglichen Verwendungszweck hinausgehen. Sie finden daher auch Verwendung als:

Blindenführhund - Behindertenbegleithund - Rettungshund - Drogensuchhund

Quelle : www.drc.de